Die Option

 

Die Not und die brutale Unterdrückung Italiens gegenüber den deutschsprachigen Südtirolern wurde immer schlimmer. Man sollte nur mehr italienisch sprechen, singen und denken. Die alten Tiroler Bräuche und Trachten wurden verboten.

 

Um den Kindern in Südtirol wenigstens die allernotwendigsten Grundbegriffe der deutschen Sprache zu lehren, gründeten einige Geheimorganisatoren in Südtirol die so - genannten „Katakombenschulen“. Sie funktionierten schon bald im ganzen Lande. In Laas war Pfarrer Sieber der Organisator. Er suchte geeignete Lehrpersonen mit guten Deutschkenntnissen, teilte die Kinder in kleinen Gruppen ein und suchte geeignete Räume für den Unterricht. Auch mein Vater stellte die Stube im oberem Stock der Schule zur Verfügung.

 

Zu dieser Zeit begann der große Triumphzug von Hitler. Er versprach dem deutschen Volke Brot, Arbeit und Gleichberechtigung. Der Ruf des deutschen Führers drang bis nach Südtirol vor. Mit voller Begeisterung hörte man Hitler bei seinen Reden im Radio zu.

 

Die Südtiroler setzten nun alle Hoffnung auf Hitler. Sie waren überzeugt, dass er kommen würde, um das Land von den Faschisten zu befreien. Niemand ahnte, dass dem Führer Südtirol gleichgültig war und dass er das Land schon im Juni 1939 bei einer Konferenz in Berlin, der Allianz zwischen Italien und Deutschland wegen, an Mussolini verkauft hatte. Bald wurde bekannt, dass Hitler das Südtirol-Problem mit einer Aussiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung zu lösen gedenke. Die Südtiroler mussten nun zwischen einer Umsiedlung nach Süditalien oder einer Auswanderung in das deutsche Reich wählen.

 

Um diese Zwangsaussiedlung zu verschönern wurden viele verlockende Versprechungen gemacht. Zirka 90% der Südtiroler optierten für die Auswanderung ins deutsche Reich.

 

Die Auswanderung wurde in einem Dreistufenplan organisiert:

 

1. Phase: Umsiedlung der ungefähr 10.000 Reichsdeutschen (ehemalige Österreicher die noch in Südtirol lebten).

 

2. Phase: Umsiedlung der nicht Bodengebundenen Arbeiter.

 

3. Phase: Umsiedlung der Bauern.

 

Nach Ablauf der Option am 31.Dezember 1939 wurde die 1.Gruppe sofort und die 2.Gruppe innerhalb von 2 bis 3 Monaten ausgesiedelt. Der 3.Gruppe wurde ein Zeitraum von 2 Jahren gewährt.

 

Die sofortige Wirkung der Option waren:

 

die jungen Männer wurden in das deutsche Heer einberufen.

 

Die Schulkinder der Optanten in Laas brauchten nach den Weihnachtsferien nicht mehr die italienische Schule besuchen.

 

Zur Option

 

Es follt mir sou schwar, i muaß mi entscheidn,

 

oub i ausswondern will, odr oub i will bleibn!

 

Die Liab zu dor Humat, die Liab zu dor Sproch,

 

dia mocht holt sou schwar, die gonze Soch!

 

Bleib i do nor konni mei Hoifl koltn,

 

i dorf mi obr lei mea auf walsch unterholtn.

 

Gea i ausi, nor bleib di Sproch mir erholtn,

 

mein Huamatle obr, tian di Walschn verwoltn.

 

Drum hl. Herz Jesu heib du segnend die Hond,

 

Beschütz insre Huamat, die Leit und das Lond.

 

        B.P.

Fam. Puintner, Brunnentalweg 10, I - 39023 Laas, Südtirol        Email: brunnentalhof@alice.it       Tel. +39 0473 628145